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Zwischen Glück und Stress: Die Schweiz im Global Life-Work Balance Index

Veröffentlicht am 26.01.2024
Zwischen Glück und Stress: Die Schweiz im Global Life-Work Balance Index
Burnout, Work-Life Balance und New Work sind die Schlüsselthemen einer vitalen Arbeitswelt. Der Global Life-Work Balance Index untersucht 60 Länder auf das Gleichgewicht zwischen Privatleben und Arbeit – und die Schweiz liegt gerade mal auf Platz 34.
von Emilia Sommerau, Redaktorin Commercial Publishing bei Somedia Promotion

Eine Statistik der SRG hat 2023 das Wohlbefinden der Bevölkerung der Schweiz sowie den Schweizerinnen und Schweizern im Ausland untersucht. Diese Studie zeigte, dass 17 Prozent der Erwachsenen ein Burnout erlebten und 25 Prozent das Gefühl haben, wegen der Arbeit Burnout gefährdet zu sein (an der Umfrage haben 57’000 Personen teilgenommen). Auch wenn Burnout an sich keine eigenständige Krankheit, sondern eine Risikosituation mit psychischen und/oder psychosomatischen Störungen ist, kosten die daraus entstehenden Ausfälle und tiefere Produktivität der Mitarbeitenden ihre Arbeitgeber jährlich rund 6,5 Milliarden Franken, wie die Universität Bern und Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften berechnet haben.

Die Schweiz im globalen Mittelfeld
Diese Studienergebnisse zeigen, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben wichtiger ist denn je. Der Global Life-Work Balance Index der Remote Group, einem Unternehmen, das sich auf Remote-Arbeitslösungen spezialisiert, untersucht die 60 Länder mit dem weltweit höchsten Bruttoinlandprodukt BIP auf. Bewertet werden Faktoren wie bezahlte Urlaubstage, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, Mindestzahlungen im Krankheitsfall und Mutterschaft, Dauer des Mutterschaftsurlaubs, gesetzlich festgelegter Mindestlohn, Gesundheitsversorgung, der Glücksindex sowie LGBTQ-Inklusivität. 

Die höchstmögliche Punktzahl im Index beträgt 100 Punkte. Den ersten Platz nimmt Neuseeland mit einem Index von 79,35 ein. Die Schweiz befindet im Gesamt-Ranking mit 50,82 Punkten auf Platz 34. Betrachtet man hingegen lediglich die europäischen Länder im Index, von denen 20 vertreten sind, stellt die Schweiz das Schlusslicht dar (die Führung bei den europäischen Ländern macht Spanien mit einem Index von 75,55).  

Zwischen Tempo, Glück und Risiken
Die Durchschnittliche Arbeitszeit in der Schweiz beträgt 31,6 Stunden pro Woche (inkl. Teilzeitarbeit). Zum Vergleich: In Neuseeland beträgt diese 26,3 Stunden und in Spanien, Frankreich und Dänemark (alle in den Top 5 des Index) beträgt sie sogar weniger als 26 Stunden pro Woche. Das «Barometer Gute Arbeit 2023» der Travail.Suisse und Berner Fachhochschule zeigt, dass gar für über 60 Prozent der Arbeitnehmenden regelmässiges arbeiten in der Freizeit zur Realität gehört. 

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Mit einem Glücksindex von 7,51/10 gehört die Schweiz zu den zufriedensten Nationen des Rankings – das, obwohl der Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung Schweiz zeigt, dass sich immer mehr Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren emotional erschöpft, überbeansprucht und ausgelaugt fühlen (Die Tendenz hier ist steigend: Während 2015 der Anteil noch bei 22,6 Prozent lag, beträgt dieser bei den aktuellen Zahlen von 2022 bereits 30,3 Prozent). Diese Zahlen lassen sich so interpretieren, dass die Schweiz im Vergleich besonders viel und bei hohem Tempo und Druck arbeitet, die Bevölkerung aber mit der Belastung zum Teil besser umgehen kann. Regina Jensen, Arbeitspsychologin bei Gesundheitsförderung Schweiz, gibt aufgrund dieser Zahlen zu bedenken, dass diese Überbelastung bei der Arbeit langfristig gesundheitliche Risiken mit sich zieht und sowohl bei den Mitarbeitenden als auch Arbeitgebern Handlungsspielraum herrscht.  Dies zeigen auch die Zahlen einer SWICA-Studie von 2020, in welcher aufgezeigt wurde, dass 57 Prozent aller Fehltage in der Schweiz auf psychische Gründe zurückzuführen waren. 

Verantwortung von Unternehmen bleibt
Die Zahlen zeichnen ein klares Bild ab: Es liegt auch klar im Interesse der Unternehmen, gegen den Anstieg von Stress am Arbeitsplatz und für den Aufbau einer gesunden Work-Life-Balance vorzugehen. Mitarbeiterunterstützungsprogramme, Ausbildung und Sensibilisierung, Bereitstellung von kostenlosen Ressourcen für Selbsthilfe und Wellness sowie eine offene Kommunikation sind nur wenige der möglichen Massnahmen, die ein Unternehmen ergreifen kann. Auch können Konzepte aus der Welt des «New Work» dabei helfen, traditionelle Arbeitsstrukturen zu überwinden und moderne, flexible und motivierende Arbeitsweisen zu etablieren. 

Bild: 123rf