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Wie lassen sich die Erfahrungen aus der Krise nutzen?

Die Coronakrise hat uns bezüglich Führungsarbeit und Arbeitswelt der Zukunft einen unerwarteten Crashkurs beschert – aber auch ganz neue Erfahrungen ermöglicht. Welche Lehren lassen sich nach den lang ersehnten Lockerungsschritten für Führungskräfte und Mitarbeitende ziehen? Und wie können diese Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung von Geschäftsmodellen und für die Unternehmenskultur genutzt werden? 
Veröffentlicht am 14.06.2021 von Südostschweizjobs.ch
Eine Krise ist auch eine Chance, sein Leben neu auszurichten
Die Coronakrise hat uns bezüglich Führungsarbeit und Arbeitswelt der Zukunft einen unerwarteten Crashkurs beschert – aber auch ganz neue Erfahrungen ermöglicht. Welche Lehren lassen sich nach den lang ersehnten Lockerungsschritten für Führungskräfte und Mitarbeitende ziehen? Und wie können diese Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung von Geschäftsmodellen und für die Unternehmenskultur genutzt werden? 

von Reto Läuchli, Betriebsökonom FH, dipl. Berufsschullehrer, Coach in Ausbildung und Partner bei Morgenthaler Consulting GmbH

Wie die Zukunft nach Corona aussehen wird, lässt sich nur vermuten. Nach fast eineinhalb Jahren im Ausnahmezustand wäre naheliegend, möglichst rasch den Zustand vor der Krise wiederherstellen und zu bewährten Praktiken zurückkehren zu wollen. Dabei öffnet sich gerade jetzt ein Spielraum, um Neues entstehen zu lassen.
Während Überraschungen im privaten Alltag meist als bereichernd erlebt werden, sind diese in Unternehmen äusserst unbeliebt. Wenn es gelingt, Corona nicht als einmaligen «Ausrutscher» der Geschäftswelt zu betrachten, lässt sich daraus die Fähigkeit zur Bewältigung einer dynamischen Welt erlernen. 
Dabei kommt dem Bewertungsstil grosse Bedeutung zu. Wenn die unerwartete Situation Ärger, Unlust und Widerstände weckt, begeben sich Menschen häufig in die Alarmzone – hier prägen Erdulden, Leiden und Grenzen die Denkhaltung. 
Wer das Unvorhersehbare jedoch mit Gelassenheit, Neugierde und Kreativität annimmt, gelangt in den Vor-Sicht-Modus – Zustand der produktiven Anspannung. So rücken Chancen, Gestaltungsmöglichkeiten und die Zukunftsorientierung in den Vordergrund.

Vergeude keine Krise

Es mag paradox klingen, aber jetzt ist es sehr vernünftig, mutig zu denken und zu handeln: Das Experiment ist die Strategie der Zukunft. Mit Experiment ist keineswegs planloses Tüfteln gemeint; vielmehr ist es ein Plan, bei dem Scheitern als möglicher Ausgang in Kauf genommen wird. Dass aus Fehlschlägen gelernt werden kann, trägt zu einer vertrauensvollen Fehlerkultur bei und ist ein wichtiger Baustein für den zukünftigen Erfolg. Führungskräfte tun gut daran, in ihrem Umfeld Widerspruch, stetiges Hinterfragen des eingeschlagenen Weges und konstruktive Irritation zu ermöglichen und zu fördern. Auch wenn Entscheidungen dadurch aufwendiger werden, steigert die grössere Vielfalt an Perspektiven und Lösungsansätzen die Qualität der Entscheide deutlich.

Resiliente Transformation

Viele schon früher angedachte Veränderungsvorhaben in Unternehmen wurden durch die äusseren Umstände massiv beschleunigt. Es verdient Respekt und Wertschätzung, wie flexibel und lernbereit sich Mitarbeitende dabei gezeigt haben. Damit diese Potenziale erhalten bleiben können, muss Führung sichtbar sein, Vertrauen schenken sowie Orientierung und Unterstützung im Umgang mit Veränderung bieten. Denn je instabiler die Aussenwelt ist, umso mehr muss die Innenwelt Stabilität vermitteln. Dies kann gelingen, wenn gemeinsam ein hoffnungsvolles Bild der Zukunft entsteht, die positiven Errungenschaften aus der Krise beibehalten und das Gleichgewicht zwischen dem Feuer für Innovation und dem individuellen Leistungsvermögen im Auge behalten werden. 

Zum Schluss ein Zitat aus einem inspirierend frischen Buch: «Die schlechte Nachricht: Wir haben keine Wahl. Die gute Nachricht: Wir haben keine Wahl!»

Bild: 123rf