Was bedeutet Mental Load?
Unter Mental Load versteht man die geistige Verantwortung für Organisation und Mitdenken im Alltag. Es geht um alles, was im Kopf bleibt, bevor eine Aufgabe erledigt wird: Wer erinnert an Arzttermine? Wer denkt an Geburtstagsgeschenke, packt den Znüni ein oder sorgt dafür, dass die Turnsachen gewaschen und wieder im Rucksack landen? Mental Load bedeutet, ständig vorauszuplanen, Details zu speichern und mögliche Probleme vorherzusehen. Studien zeigen, dass diese unsichtbare Arbeit nach wie vor überwiegend bei Müttern liegt – selbst wenn Väter aktiv mithelfen. Meist merkt man erst, wie viel Energie hier im Hintergrund steckt, wenn sie fehlt.
Welche Folgen hat das?
Die ständige geistige Präsenz erschöpft. Sichtbare Arbeiten lassen sich abhaken, Mental Load hingegen läuft rund um die Uhr, manchmal selbst beim Einschlafen. Wer dauerhaft allein die Verantwortung trägt, erlebt schnell Frust, Überlastung und das Gefühl, permanent „auf Sendung“ zu sein. Mental Load kann zu Stress, Gereiztheit oder dem Eindruck führen, dass eigene Leistungen nicht gesehen werden. In Partnerschaften zeigt sich dies oft in Spannungen, Missverständnissen oder dem Eindruck, dass die Last ungleich verteilt ist.
Wie lässt sich Mental Load teilen?
Der erste Schritt ist, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Paare können Listen erstellen, um herauszufinden, wer welche „Gedankenarbeit“ übernimmt. Hilfreich ist, Verantwortungsbereiche umfassend zu übergeben – nicht nur einzelne Aufgaben. Wer zum Beispiel die Morgenroutine übernimmt, trägt auch die Organisation: Kleidung bereitstellen, Frühstück koordinieren, Termine im Blick behalten. So entsteht echte Entlastung, und die andere Person gewinnt Raum für eigene Aufgaben oder Erholung.
Warum ist Kommunikation wichtig?
Offene Gespräche über Erwartungen, Belastungen und Wünsche sind entscheidend, damit nicht eine Person die Hauptlast trägt. Entscheidend ist die Haltung: Nicht „helfen“, sondern Verantwortung gemeinsam tragen. Partnerschaft bedeutet Teamarbeit – nicht nur bei sichtbaren Aufgaben, sondern gerade bei der unsichtbaren Arbeit im Kopf. Regelmässige Gespräche schaffen Verständnis, Wertschätzung und Klarheit über Zuständigkeiten.
Welche Entlastungen sind möglich?
Neben einer fairen Aufteilung im Alltag können Grosseltern, externe Betreuung oder digitale Tools wie Familienkalender und Erinnerungsfunktionen unterstützen. Ebenso wichtig ist es, bewusst Zeiträume für persönliche Erholung zu schaffen – Momente, die Energie geben – sowie gemeinsame Zeiten zu pflegen, die die Beziehung stärken. Selbst kleine Rituale wie gemeinsames Abendessen, Spaziergänge oder kurze Pausen ohne Smartphone helfen, den Mental Load zu reduzieren.
Fazit
Mental Load ist kein individuelles Versagen, sondern eine partnerschaftliche und familienbezogene Herausforderung. Wer Verantwortung teilt, Aufgaben sichtbar macht und die unsichtbare Arbeit anerkennt, stärkt nicht nur den Familienalltag, sondern auch die Beziehung. Ein Alltag, der auf mehreren Schultern ruht, fühlt sich leichter an und schafft Raum für Gelassenheit, Wertschätzung, gemeinsame Momente und echte Entlastung.
* Riccarda Menghini Sutter ist psychosoziale Beraterin MSc, Mediatorin und Geschäftsleiterin der Fachstelle adebar.
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