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Hinter Schwedischen Gardinen – und die berufliche Zukunft danach?

Es mangelt an Fachkräften hüben und drüben. Während die Firmen Mühe bekunden, ihre Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen, kann die Not neue Chancen eröffnen. Eine erfolgreiche Wiederintegration von Arbeitsuchenden mit «schwierigem Hintergrund» setzt allerdings viel guten Willen und den Abbau von Vorurteilen voraus.
Veröffentlicht am 17.10.2019 von Südostschweizjobs.ch
Berufliche Zukunft nach dem Strafvollzug
Es mangelt an Fachkräften hüben und drüben. Während die Firmen Mühe bekunden, ihre Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen, kann die Not neue Chancen eröffnen. Eine erfolgreiche Wiederintegration von Arbeitsuchenden mit «schwierigem Hintergrund» setzt allerdings viel guten Willen und den Abbau von Vorurteilen voraus.

von Monika Losa, Verantwortlichliche für Weiterbildungen beim Bündner Gewerbeverband, die KMU-Frauen GR und das Magazin «Bündner Gewerbe»

Der Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet. Egal ob im Treuhandwesen, in Technikberufen, in der Informatik, bei Ingenieuren oder im Handwerk. Firmen buhlen um die besten Leute und finden sie immer schwieriger. Ist der Zeitpunkt gekommen, Quellen anzuzapfen, die unwegsamer zu erschliessen sind?

Schere schliessen

Auf der anderen Seite liegt Potenzial brach. Menschen, die gar nicht erst für eine Anstellung in Betracht gezogen werden, weil sie auf den ersten Blick nicht den Anforderungen entsprechen. Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – beispielsweise keine Lehre absolviert haben, solche, die zwar eine Ausbildung haben, dann aber den Anschluss an die Berufstätigkeit verpasst haben. 
In der Schweiz gibt es immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund. Unter ihnen solche, die als Flüchtlinge die Berechtigung haben bei uns zu arbeiten – oft aber schon aus sprachlichen Gründen keine Chance auf eine Anstellung erhalten. Der grosse Teil dieser Menschen «mit schwierigem Hintergrund» möchte gerne arbeiten. Sie wünschten sich gebraucht und gefördert zu werden, und sie würden alles daran setzen, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Doch viele Arbeitgeber scheuen den Aufwand oder gar das Risiko einer solchen Integration. Das ist einerseits nachvollziehbar, auf der anderen Seite werden innovative Unternehmer oft für ihre Risikobereitschaft gerühmt. 

Hinter Gitter und danach

Noch eine Stufe schwieriger für eine erfolgreiche Wiederintegration ist es für Menschen, die wegen Suchtkrankheit, Habgier, Neid, Eifersucht, wirtschaftlichen oder anderen Gründen eine Straftat begehen und eine bestimmte Zeit hinter Gitter verbringen müssen. Für sie wird es zur besonderen Herausforderung, in ein geordnetes Umfeld, eine Struktur und eine sinnvolle Tätigkeit zurückzufinden.
Diesen Menschen wird an der KMU-Frauentagung vom 25. Oktober in der Neuen Justizvollzugsanstalt in Cazis Tignez ein besonderes Augenmerk geschenkt. Welche Chancen erhalten Menschen, die einen solchen Makel aufweisen? Der ausgetrocknete Arbeitsmarkt könnte die Bereitschaft erhöhen, ihnen eine zweite Chance zu geben. Die Bevölkerung muss selbstverständlich vor gewalttätigen Tätern geschützt werden. Für andere, welche möglicherweise durch Einzelschicksale auf die schiefe Bahn geraten sind, trägt die Gesellschaft eventuell sogar eine Mitverantwortung. Dabei geht es nicht darum, Unrecht zu legitimieren – dennoch kann jeder und jede in eine Situation geraten, in der er eine zweite Chance erhalten möchte.
Der Nutzen kann gegenseitig sein. Denn Häftlinge, die durch erfolgreiche Resozialisierungsmassnahmen im Strafvollzug den rechten Weg wieder finden, entlasten die Allgemeinheit. Sie helfen im Idealfall sogar mit, die angespannte Personalsituation im Arbeitsmarkt zu entschärfen.  Denn wie war das schon wieder mit der Risikobereitschaft? Ein zweiter Blick, etwas Mut, Abbau von Vorurteilen – so kann unter Umständen etwas entstehen, das gut zusammenpasst.

Bild: zVg