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Resilienz von KMU und Mitarbeitenden – Krisen gemeinsam schneller bewältigen

Der Blick in die Vergangenheit zeigt es: Krisen mit Wellenbergen und -täler folgten sich in regelmässigen Abständen. Unternehmen werden dabei oft unvorbereitet getroffen und die Bewältigung von Krisen fordert die Mitarbeitenden bis an ihre Grenzen. Dabei können sich die KMU und ihre Mitarbeitenden dank ihrer typischen Macherkultur wirksame Vorteile schaffen – durch eine aktive Gestaltung der Bewältigungsschritte,
Veröffentlicht am 09.12.2021 von Südostschweizjobs.ch
Auch unerwartete Krisen können aktiv gestaltet werden.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt es: Krisen mit Wellenbergen und -täler folgten sich in regelmässigen Abständen. Unternehmen werden dabei oft unvorbereitet getroffen und die Bewältigung von Krisen fordert die Mitarbeitenden bis an ihre Grenzen. Dabei können sich die KMU und ihre Mitarbeitenden dank ihrer typischen Macherkultur wirksame Vorteile schaffen – durch eine aktive Gestaltung der Bewältigungsschritte,

von Nico Tschanz, Leiter des KMU-Zentrums Graubünden 

In der jüngeren Vergangenheit seit 1970 erlebte die Wirtschaft zwei Ölkrisen, den Zerfall des Ostblocks ab 1989, die Dotcom- oder Internet-Krise 2000 und die Finanzkrise 2007  – gefolgt von der aktuellen Coronakrise. Für KMU bedeuten Krisen eine gefährliche Entwicklung oder eine Ausnahmesituation. Im Altgriechischen bedeutet «crisis» ein «Wendepunkt zu Gesundheit oder Tod». In vielen Kulturen und Epochen wird jedoch auch auf die in der Krise potenziell vorhandene «Veränderungsenergie» hingewiesen. Nicht zu vergessen ist, dass Krisen nicht immer für alle unerwünscht sind, denn sie bieten einigen auch neue Chancen und neue Aussicht auf Erfolge.

Die Krise üben – oder auch nicht

KMU können den unerwarteten Veränderungsdruck durch Krisen am besten zusammen mit den Mitarbeitenden in eine Veränderungsenergie umwandeln. Der Mensch spielt in KMU eine besonders wichtige Rolle und der Zeitfaktor ist entscheidend für die Zukunft. 
Auf manche Arten von Krisen können sich Unternehmen vorbereiten, z. B. auf einen Brandfall mit Evakuation. Der erste Schock ist dann rasch überwunden. Die Handlungsanweisungen sind klar. Da läuft zunächst alles wie am Schnürchen ab.
Anders präsentiert sich das bei Konjunktur- und Gesellschaftskrisen. Sie können wenig bis gar nicht geübt werden. Schlimme Auswirkungen haben auch politische Krisen, insbesondere für KMU mit internationalen Lieferketten. Diese Krisen treffen ein wie ein angekündeter Tsunami. Die psychische Krise der Mitarbeitenden folgt dann auf solche Krisen wie die Nacht auf den Tag. Die Gefahr oder das Potenzial für die Fähigkeit zur Krisenbewältigung, das in der psychischen Krise schlummert, wird aber oft zu wenig beachtet. Die Kompetenz und Handlungsfähigkeit der Mitarbeitenden sind der Schlüssel zur baldigen Erreichung der Neuorientierung. 

Phasen zur Bewältigung der Krise

Krisen bedeuten die Auflösung des bisherigen Zustands. Es folgt der Schock, das Chaos, die eigentliche Krise und dann die Stabilisierung und Festigung. Das Reaktionsmuster von Mitarbeitenden und Menschen im Allgemeinen ist analog (vgl. Grafik nebenan): Auf den ersten Schock (1.) folgen emotionale Reaktionen (2./3./4.) und schliesslich die Bearbeitung (5.) und im Erfolgsfall die Neuorientierung mit Integration des Neuen in den Alltag (6./7.). 
Unternehmen können für den Umgang mit unplanbaren Konjunktur- und Gesellschaftskrisen von dieser Theorie der psychischen Krisen lernen. Sie können entlang den Schritten gemeinsam mit den Mitarbeitenden in guten Zeiten Instrumente planen, implementieren und damit den Ernstfall indirekt üben. Sie werden dadurch resilienter. 

Sich bewegen ist besser als verharren

Das Wochenmotto der Handwerkerzeitung vom 19. März 1931 – mitten in einer Krise – brachte es auf den Punkt. Es ist besser, sich zu bewegen als lange in der Schockstarre zu verharren: «Viel besser ists fürwahr, auf gut Glück irregehn – als bis zum Untergang der Sonn‘ am Scheidewege stehn», so die Aussage. Aber es geht noch besser: So ist es im ersten Schock (1.) hilfreich, wenn Ängste angesprochen und noch keine Entscheide getroffen werden. In der anschliessenden Reaktionsphase (2./3./4.) kommen viele Emotionen hoch und die Begleitung beim Verstehen und Einordnen sind wichtig. Ist der Schritt Bearbeitung (5.) erreicht, definieren Mitarbeitende am besten gemeinsam, was neu gebraucht wird. Im Schritt Integration und Neuorientierung (5./6.) liegt der Hauptnutzen schliesslich bei der Unterstützung des Ergreifens des Neuen. 
Die heute verbreiteten Methoden rund um Agilität und Innovationskultur sind eine gute Basis dazu. Der permanente Fluss von Informationen und der offene Austausch ist ein wirksames Element. Eine erlebbare, vielfältige Unternehmenskultur ist ein weiteres. Das schafft Rahmenbedingungen, mit welchen Mitarbeitende auf der Achterbahn der Veränderungen besser mitgenommen werden können und das Unternehmen rascher durch die Krise bis zur Neuorientierung kommt.

KMU-Zentrums Graubünden
Comercialstrasse 22, Chur
info@kmuzentrum.ch
Telefon +41 81 286 24 14

Bild: zVg.