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Dem Generationenwechsel in den Gemeindeverwaltungen begegnen

Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur technisch dominierte Branchen, sondern auch die öffentliche Hand. Gerade in der Gemeindelandschaft akzentuiert sich diese Herausforderung zunehmend. Zudem erschweren verschiedene Faktoren die Rekrutierung von Gemeindekader. Mit geeigneten Instrumenten und Weiterbildungen kann Gegensteuer gegeben werden
Veröffentlicht am 24.06.2021 von Südostschweizjobs.ch
Eine Ausbildung als Gemeindekader eröffnet neue und interessante Perspektiven.
Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur technisch dominierte Branchen, sondern auch die öffentliche Hand. Gerade in der Gemeindelandschaft akzentuiert sich diese Herausforderung zunehmend. Zudem erschweren verschiedene Faktoren die Rekrutierung von Gemeindekader. Mit geeigneten Instrumenten und Weiterbildungen kann Gegensteuer gegeben werden

von Dario Wellinger und Tatjana Schädler, Zentrum für Verwaltungsmanagement der Fachhochschule Graubünden

Aufgrund der Pensionierung der Babyboomer-Generation wird in den nächsten zehn Jahren die Anzahl Erwerbsaustritte deutlich ansteigen. Weil gleichzeitig weniger Arbeitskräfte nachrücken, entsteht in gewissen Branchen ein Fachkräftemangel. 
Auch die öffentliche Hand und insbesondere die Gemeindelandschaft ist von dieser Entwicklung aus mehreren Gründen betroffen: Zum einen werden in den nächsten Jahren viele Gemeindekader pensioniert, zum anderen sind die Anforderungen an diese in den letzten Jahren stark gestiegen.

Vielfältiges, aber komplexes Jobprofil

Gemeindeschreiberin, Finanzverwalter und Bauamtschefin sind interessante und abwechslungsreiche Berufe mit Bezug zu gesellschaftlich relevanten Themen. Die Aufgaben dieser Jobprofile haben sich in den letzten Jahrzehnten stark erweitert, und neben Generalistinnen und Generalisten sind vermehrt auch Fachspezialistinnen und -spezialisten gefragt. Gründe dafür sind die gestiegenen Anforderungen an die Verwaltungseinheiten, getrieben unter anderem durch Fusionen sowie durch übergeordnete Gesetzgebung, aber auch durch die stetig anwachsende Anspruchshaltung der Bevölkerung. Dies bedeutet, dass Arbeitskräfte nicht nur in sehr vielen Gebieten entsprechendes Fachwissen vorweisen, sondern zunehmend auch Führungs- und Management-Kompetenzen mitbringen müssen. 

Rekrutierung ist schwierig

Die Rekrutierung von Gemeindekader wird durch strukturelle Effekte erschwert: So gibt es keine schweizweit einheitliche Ausbildung für die jeweiligen Jobprofile. Weiter sind die Berufe vor Ort in den Gemeinden auszuführen, was die Auswahl von Führungs- und Fachkräften geografisch einschränkt – der entsprechende Arbeitsmarkt ist gerade in ländlich geprägten Regionen stark ausgedünnt. Zudem ist eine Rekrutierung im grenznahen Ausland oftmals keine Option, da es für den Job ein vertieftes Verständnis von regionalen, kulturellen und rechtlichen Gegebenheiten benötigt.
Hinzu kommen die Erwartungen der jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräfte an den Arbeitgebenden: Teilzeitarbeit, Homeoffice und Job-Sharing sind in den Gemeindeverwaltungen (noch) nicht weit verbreitet. Gerade Fachkräfte aus der Privatwirtschaft haben sich an diese Elemente als fixen Bestandteil der Arbeitsstrukturierung gewöhnt. 
Weitere Erwartungen junger Arbeitskräfte sind Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen sowie eine positive Unternehmenskultur.

Gemeinden müssen aktiv werden

Um den Generationenwechsel in den Gemeindeverwaltungen bewerkstelligen zu können, müssen die Gemeinden selbst aktives Talent-Management betreiben. Neben einer vorausschauenden Personalplanung und -entwicklung mit dem Aufzeigen von Langzeitperspektiven 
gehören auch kontinuierliche Weiterbildungen der bestehenden Mitarbeitenden zum Pflichtprogramm. Auch die Qualifizierung von Quereinsteigenden ist ein wichtiger Bestandteil. Um für junge Fachkräfte aus anderen Branchen attraktiver zu werden, sollten die Gemeindeverwaltungen auch damit beginnen, mit neuen Arbeitsformen zu experimentieren. Hierzu zählt auch das Einführen von digitalen Arbeitsinstrumenten, die den Mitarbeitenden ein zeit- und ortsunabhängigeres Arbeiten ermöglichen.

CAS «Führung öffentliche Verwaltung und NPO»
Die Fachhochschule Graubünden bietet eine Weiterbildung in Führung öffentliche Verwaltung und Non-Profit-Organisationen (NPO) an. Es wird mit einem Certificate of Advanced Studies (CAS) abgeschlossen. Der fünfte CAS-Lehrgang startet im September 2021.
Modul 1: «Führungsgrundlagen und Instrumente der Führung»
Modul 2: «Verwaltungsspezifische Führungsgrundlagen»
Anmeldeschluss: Modul 1: 31.8.2021, Modul 2: 31.1.2022
Weitere Informationen: fhgr.ch/cas-oeffentliche-verwaltung-npo

 

Bild: 123rf